Varroa, der Lebenszyklus

Die 1,6 mm große Varroamilbe klammert sich an das Haar der Honigbiene und lässt sich von der befallenen Biene umhertragen, ja sie fliegt sogar huckepack mit durch die Luft. Wenn ein Bienenvolk zusammenbricht, schwärmen die letzten überlebenden Bienen aus und betteln sich in andere Bienenvölker ein, so kann ein durch Varroabefall sterbendes Volk alle anderen Bienenvölker im Umkreis von 2 bis 3 km um den Stock auch noch mit Varroa infizieren. 

Ein Varroamilbenweibchen sitzt auf einer Biene und wenn diese Biene die Larven füttert, stellt die Milbe anhand des Geruches fest, in welchem Stadium sich die Larve befindet. Steht die Larve kurz vor der Verpuppung, so lässt das Milbenweibchen sich fallen und versteckt sich unter der Larve. Die Milbe ist in der Lage, die Menge des Entwicklungs- oder Juvenilhormons der Larven abzuschätzen. Da das Juvenilhormon bei männlichen Bienenlarven höher ist als bei Weibchen, kann die Milbe so die Drohnenbrut erkennen, die sie bevorzugt, da Drohnen einen um zwei Tage längeren Larvenentwicklungszyklus haben, wodurch die Milbe mehr Zeit zur Vermehrung hat.

Bei den ursprünglichen Wirtsbienen, der Apis Cerana, weisen die Arbeiterinnenlarven einen sehr geringen Juvenilhormon Gehalt auf, die Arbeiterinnenbrut wird nahezu von Milbenbefall verschont. Bei der westlichen Honigbiene ist der Juvenilhormongehalt der Arbeiterinnenlarven aber viel höher. Sie wird quasi mit Drohnenlarven verwechselt und der immense Varroaschaden, den wir Imker zu verzeichnen haben, bis hin zum Tod des Bienenvolkes, beruht quasi auf einer grandiosen Verwechslung der Varroamilbe von Arbeiterinnen- und Drohenenbrutzellen aufgrund eines zu hohen Juvenilhormongehaltes unsere Arbeiterinnenlarven. In ihren Ursprungsländern in Südostasien mit Apis Cerana als Wirtstier kommt es sehr selten zur Auslöschung eines ganzen Volkes. Die Bienen leben zusammen mit der Varroa nahezu im Gleichgewicht, was aus Sicht der Varroamilbe auch viel vorteilhafter ist, als das Wirtsvolk und somit sich selbst zu zerstören.

Erst wenn die Brutzelle von den Ammenbienen von außen verdeckelt worden ist, wird die Milbe aktiv. Sie beißt die Larve an und ernährt sich von ihrem Blut. Am dritten Tag nach der Verdeckelung legt sie ein unbefruchtetes Ei, aus dem ein Männchen schlüpft, alle weiteren Eier sind befruchtet und weiblich. Ab dem 4. Tag nach der Verdeckelung der Bienenzelle wird alle 30 Stunden ein Ei gelegt, insgesamt 5 bis 6 Eier in Arbeiterinnenbrut und 6 bis 7 Eier in Drohnenbrut. Die Larve der Varroamilbe entwickelt sich bereits im Ei zur achtbeinigen Nymphe und braucht 6 (Weibchen) bzw. 7 Tage (Männchen) und zwei Häutungen, bis sie ausgewachsen und geschlechtsreif ist. Die Nymphen haben schwache Beißwerkzeuge, so dass das Muttertier die Bienenlarve anbeißt und die Nymphen aus der Wunde Blut trinken. Sind die Milben ausgewachsen, begattet das Männchen alle geschlechtsreifen Geschwisterweibchen noch in der Brutzelle.

Wenn die Jungbiene (Weibchen nach 12 Tagen, Drohnen nach 14 Tagen) schlüpft, sind in der Arbeiterinnenbrut neben der Mutter noch zwei begattete Jungweibchen, einige nicht ausgewachsene Weibchen und das Männchen. In der Drohnenbrut sind es aber wegen der längeren Entwicklungszeit bis zu 4 begatteter Jungweibchen. Alle begatteten Weibchen, einschließlich der Mutter, verlassen beim Schlüpfen der Biene die Brutzelle. Das Männchen und alle unbegatteten Weibchen bleiben in der Zelle und sterben ab. Da es häufig vorkommt, dass mehrere Weibchen eine Brutzelle besetzen und dass Männchen alle Weibchen begattet, auch die Muttertiere, die so ihren Samenvorrat auffrischen, kommt es zum Austausch von Erbmaterial, eine Inzucht wird so vermieden.

Innerhalb von 3 bis 4 Wochen kann sich der Varroabefall so verdoppeln.

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