Das Bienenvolk, ein Superorganismus

Das Bienenvolk ist ein sich selbst regulierender Superorganismus. Jede einzelne Biene trifft ihre eigenen Entscheidungen, die in Konkurrenz oder Kooperation zu den Entscheidungen anderer Bienen stehen. Die Gesamtheit dieser Entscheidungen steuert den Superorganismus. Die Arbeiterinnen sind die eigentlichen Verantwortlichen in der Bienenkolonie. Sie bestimmen wann und wie viel Nektar und Pollen eingetragen werden, wie stark das Brutnest beheizt wird, sie legen den Wabenbau fest, die Nesthygiene, ja sogar wann eine Königin ersetzt wird, alles hängt miteinander zusammen und wird durch die Aktivitäten der Arbeiterinnen festgelegt. Ihre Entscheidungen werden durch Kommunikation und Spezialisierung beeinflusst und es wird immer ein Gleichgewichtszustand angestrebt. Die einzelnen Zielgrößen ändern sich dauernd und der Gleichgewichtszustand ist nur durch Daueraktivität des gesamten Volkes zu erreichen.

Die Königin

Die Königin oder Weisel ist das größte Tier im Volk. Sie ist 50 % größer als eine normale Arbeiterin und das einzig voll ausgeprägte Weibchen, das Eier legt. Sie wird 5 bis 6 Jahre alt und ist keine Regentin, lediglich durch Pheromone, ihren Königinnenduftstoff, hält sie das Volk zusammen. Sie sammelt keinen Nektar oder Pollen und sie betreibt auch keine Brutpflege, ihre einzige Aufgabe ist die Eiablage. Sie ist in der Lage pro Tag 1.000 bis 2.000 Eier zu legen.

Die Arbeiterin

Aus befruchteten Eiern schlüpfen nach drei Tagen die Larven, die als Rundmaden bezeichnet werden, da sie gekrümmt am Wabenzellenboden liegen. Sie werden drei Tage mit Gelee Royal gefüttert, um das Immunsystem zu stärken, danach erhalten Arbeiterinnenlarven ausschließlich Eiweiß in Form von Pollen und Kohlenhydrate in Form von Nektar. Wenn sich die Made nach sechs Tagen in der waagrechten Arbeiterwabenzellen streckt, wird sie verdeckelt.

Die Drohnen

Die Drohnen sind die männlichen Tiere einer Bienenkolonie, sie haben mit 24 Tagen die längste Entwicklungszeit aller Bienenwesen. Ihre Brutzellen sind mit einem Durchmesser von 6,3 mm deutlich größer als die der Arbeiterinnen, die exakt einen Durchmesser von 5,3 mm haben. Nur in der Zeit von April bis Juli legt die Königin in die von den Arbeiterinnen in den Baurähmchen (Rahmen in der Magazinimkerei ohne Mittelwände) angelegten großen Drohnenwaben unbefruchtete Eier, aus denen sich die Drohnen entwickeln.

Beute

Als Beute bezeichnet man den Bienenstock, das Zuhause des Bienenvolkes. Am gebräuchlichsten sind heute die Magazinbeuten, die es in verschiedenen Ausführungen und Maßen gibt. In unserem Verein sind Zander und Dardant Beuten am gebräuchlichsten. Beide haben Vor- und Nachteile und wir beiten unseren Neuimkern eine ausführliche Beratung an. Grundsätzlich besteht eine Beute aus einem Boden mit Einflugloch, Gitterboden und einer Bausperre. Im Winter kann der offene Gitterboden mit einem Brett verschlossen werden, um die Wärme im Stock zu halten. Auf diesen Boden werden je nach Volksstärke und Betriebsweise ein bis zwei Zargen als Brutraum und darüber, über ein Absperrgitter, die Honigräume gestellt. Das Absperrgitter dient dazu, die Königin aus den Honigräumen auszusperren. Man möchte vermeiden, dass die Königin in die Honigwaben Eier und sich dann im Honigraum Brut befindet. In der Demeterimkerei und bei der wesensgemäßen Bienenhaltung wird auf ein Absperrgitter verzichtet und der Imker muss selbst entscheiden, welche Honigwaben er auschschleudern kann und welche durch Brutrückstände zu stark verunreinigt sind. Mit dem Absperrgitter ist gewährleistet, dass alle Honigwaben sauber und unbebrütet sind.

Die Magazienbeuten gibt es aus Kunststoff oder Holz. Je nach Ausführung kann eine komplette Beute zwischen 80,-- und 250,- Euro kosten. Die günstigeren und oft im Satdtbereich eingesetzten Bienenkästen haben sich nach unserer Erfahrung bei uns nicht sonderlich bewährt. Die Bienenkiste ist für ein starkes Bienenvolk mit 40.000 Bienen im Sommer meist zu klein und die Handhabung auf Dauer viel zu umständlich. Es mag sicherlich in Städten mit geringen Aufstellmöglichkeiten und ohne Massentracht eine Berechtigung für die Bienenkästen geben. Bei uns im ländlichen Raum findet man aber überall genügend passende Plätze, um eine Magazinbeute aufzustellen und wenn der Raps blüht, explodieren die Völker. Die nötigen Arbeiten am Bienenvolk sind bei der Bienenkiste und der Magazinimkerei vollkommen identisch und wenn der Raum zu eng wird, schwärmt das Volk, egal ob Magazin oder Kiste. Bei der Magazinimkerei kann man jedoch immer noch eine Zarge aufsetzen und den Bienen Raum geben, was bei einer Massentracht unumgänglich ist. Bei der Bienenkiste ist das nicht möglich, da ist der Schwarm vorprogramiert und die Nachbarn werden sich freuen.

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